Im März und April hatte der Circus Mignon wieder ins große Zelt geladen: Die Kindergruppe präsentierte ihr erstes Programm “Trollig”. Die meisten der jungen Artisten standen das erste Mal in ihrem Leben in der Manege, hatten aber sichtbar riesige Freude dabei. Es ist immer wieder großartig, das zu sehen.
Erzählt wurde die Geschichte eines kleinen Mädchens, das von zu Hause ausreißt, um die faszinierenden Wesen des Waldes kennen zu lernen. Als sie sich aber verläuft und auch nicht nur auf freundliche Geschöpfe trifft, verliert sie ihr Lächeln, woraufhin die Trolle, Feen und Waldtiere versuchen, sie wieder zum Lachen zu bringen.
Mit extra geschneiderten fantastischen Kostümen, einer tollen Ausleuchtung der Bühne, Regeneffekte durch nasse Jonglierbälle und Schnee aus der Schaumkanone machte die ganze Show auch visuell sehr viel her, so dass das Fotografieren eine große Freude war.
Menschen fotografiert man mit Porträt-Linsen und möglichst weichem Licht? Blödsinn, das Tamron 10-24mm von Rolf ausgeliehen, den Blitz ohne Diffusor auf die Kamera geklemmt und volle Möhre drauf lös geknipst. Was macht das ö da im Wort? Egal, weiter im Text. Das macht auf jeden Fall Laune, vor allem an so Partyabenden.
Die Bilder sind bis auf den quadratischen Beschnitt unbearbeitet out-of-cam. Ok, bei einem habe ich noch an der Vignette gespielt. Aber mehr dann auch wirklich nicht.
An einem Wochenende im März war es soweit: Mein erster gebuchter Fotoauftrag (oder so ähnlich) stand vor der Tür. Der Kinder- und Jugendcircus Barsinghausen (Kijuciba) aus der Nähe von Hannover hatte an diesem Wochenende seine große jährlich Galashow und Annika bat mich zu meiner großen Freude, das Ganze am Samstag und Sonntag fotografisch festzuhalten.
Unter dem Titel „Raise Your Voice“ hatten die Kinder und Jugendlichen in den vergangenen Monaten ein abendfüllendes Programm aus Artistik, Tanz und Musik erarbeitet, dass sich mit Sprache in allen ihren Formen und Facetten beschäftigte.
Verständlicherweise war ich ziemlich aufgeregt. Wenn man weiß, dass über 50 Leute plötzlich auf die eigenen Fotos gespannt sind, hat man Angst, die Erwartungen eventuell nicht erfüllen zu können. Im Endeffekt schaffte ich es aber doch recht gut, mich damit zu beruhigen, dass ich schließlich wegen meiner bisherigen Fotos gefragt wurde und einfach nur das tun müsse, was ich selbst für richtig halte. Nichtsdestotrotz war ich am Ende mehr als erleichtert, zu den Bildern begeisterte Rückmeldungen zu erhalten und zudem bereits einige Fotos auf facebook wieder zu finden. Wenn man sieht, dass die eigenen Bilder verwendet werden, fühlt man sofort, dass man etwas richtig gemacht hat.
Zugegebenermaßen war die Situation vor Ort für mich eine ziemliche Herausforderung. Bisher habe ich entweder Soloartisten fotografiert oder aber größere Nummern, die dafür in einer klar abgegrenzten Manege aufgeführt wurden. Die Gala des KIJUCIBA fand dagegen in einer großen Halle statt, in der eine riesige Bühne, davor eine kleinere Bühne und zudem ganz außen in der Halle Aufbauten für Luftakrobatik aufgebaut waren. Außerdem gab es abwechselnd Acts von nur zwei oder drei Artisten sowie riesige Massennummern, bei denen 52 Personen gleichzeitig auf der Bühne standen. Was ist dabei wohl die passende Brennweite, wodie richtige Position in der Halle und wie stellt man sicher, weder große Akrobatikpyramiden noch den einen entscheidenden Blick des niedlichen Mädchens ins Publikum zu verpassen?
Zum Glück hatte ich an beiden Tagen die Möglichkeit zu fotografieren, so dass ich mich am Samstag auf die großen artistischen Bilder konzentrierte und am Sonntag die kleinen Szenen – die ich in meinen Fotos am wichtigsten finde – festhalten konnte. Dafür lieh ich mir Martins Canon 70-200/4L Teleobjektiv aus und stellte mich damit ganz hinten auf eine erhöhte Position, wo ich alles gut im Blick hatte, mit der Brennweiten-Auswahl aber immer noch genug Variation in den Bildausschnitt bringen konnte. Am nächsten Tag wanderte ich dagegen etwas herum und stellte mich je nach Nummer abwechselnd an den rechten oder linken Rand der Halle. Hierbei wechselte ich des Öfteren zwischen dem Teleobjektiv und meinem mittlerweile Standardobjektiv, dem Tamron 28-75/2.8.
Die Bühne war abwechslungsreich ausgeleuchtet, was während der Show sehr erfrischend war, mir in der Nachbereitung aber einige Schwierigkeiten bereitete, da der automatische Weißabgleich der Kamera sehr unbefriedigend war. Hier zahlte es sich wieder aus, dass ich mittlerweile fast ausschließlich in RAW fotografiere. Allerdings musste ich feststellen, dass Canons Standardentwicklung der Rohdaten in JPGs bei einigen Aufnahmen deutlich besser die Probleme des Weißabgleiches bewältigen konnte, als ich es in Lightroom von Hand reparieren konnte. Ich werde das in Zukunft noch mal genauer beobachten und hier vielleicht darüber schreiben.
Doch genug der langen Worte – vor allem zu technischen Details – und viel Vergnügen mit meinen Ergebnissen des Abends.
Am Wochenende traf ich in Bremen zufällig Vivien wieder. Nachdem ich mich als derjenige zu erkennen gegeben hatte, der während ihres Auftritts in Hamburg fotografierte, war sie erst total erstaunt, drückte mir dann aber lächelnd ihre Vistenkarte in die Hand.
Daraufhin musste ich auch lächeln: Was für eine angenehme Überraschung.

Wie einige von euch wissen, studiere ich Informatik. Dieses Semester habe ich das Modul “Interactive Visual Computing” belegt, in dem es um algorithmengestützte Bildverarbeitung und Computergrafik geht. Insgesamt also sehr interessante Dinge. Wirklich!
Um zur Prüfung zugelassen zu werden, mussten wir im Laufe der letzten drei Monate einen eigenen kleinen Animations-Film produzieren. Dafür standen uns allerdings keine unterstützenden Werkzeuge wie Blender, Cinema 4D oder Maya zur Verfügung, da wir auf unterster Ebene verstehen sollten, wie 3D-Grafik funktioniert. Als Renderer sollte stattdessen das Open-Source-Programm Povray verwendet wird – ein so genannter Raytracer, der aus selbst geschriebenem Code zur Szenenbeschreibung ein Bild generiert. Was am Anfang noch recht umständlich wirkte, machte uns am Ende des Semester aber ziemlich viel Spaß.
Wie aufwändig bereits kleine unbewegte Objekte sind, kann man sich an einem Beispiel klar machen. In Anbetracht dessen sind wir auf das Endergebnis ziemlich stolz. Über 3000 Zeilen Code und etwa 100 Stunden reiner Renderzeit sind in das Video geflossen, unsere Arbeitszeit (zu dritt) wird aber auch nicht wirklich geringer gewesen sein.
Viel Spaß mit dem Video, Feed-Leser müssen das Video vielleicht direkt bei Vimeo gucken.
Good vs Evil – An Epic Povray Movie from fotografdracula on Vimeo.
Die Musik stammt von Denny Schneidemesser, Sounds haben wir bei freesound.org bekommen. Texturen sind in Gimp, das Video selbst in Sony Vegas entstanden. Entwickelt haben Rolf, Thiemo und ich. Unter Linux, Windows und MacOS.